Ein Internet-Angebot von Klaus Graf (Universität Freiburg)
Der feuert auf dem strohen Dach,
Der auf der Welt Ruhm setzt sein Sach
Sebastian Brant: Narrenschiff (1494), Kapitel 92
Die eigene Homepage stellt, daran ist nicht zu zweifeln, eine medientechnisch besonders fortgeschrittene Spielart akademischer Eitelkeit dar.
Zugleich eröffnet das Internet Kommunikations- und Publikationsmöglichkeiten, die dem eingefahrenen Wissenschaftsbetrieb neue Impulse verleihen könnten. Allerdings können nur attraktive Angebote, wenn überhaupt, etwas an der (noch) allgemeinen Reserviertheit der HistorikerInnenzunft gegenüber dem Internet ändern.
Statt in die Zeit-Klage über das Internet als Müllhalde und spätpubertäre Veranstaltung einzustimmen und passiv abzuwarten, ob irgendjemand irgendetwas Brauchbares ins Netz stellt, möchte ich hier mehr und anderes bieten als die (bei deutschen Wissenschaftlern) üblichen knöchernen Inhalte: Curriculum vitae, Projekte, Veröffentlichungsliste (und alles am besten: "under construction").
Schwerpunkt meines Angebots sind (vorerst) Texte: Informationen über Internet-Angebote (Links), Bibliographisches, eigene Veröffentlichungen, historische Quellentexte. (Hinweis: Externe Links sind normal, interne fett dargestellt.)
Auf aufschnappende Briefkästen, flackernde Trennlinien und andere Scheußlichkeiten habe ich (hier) bewußt verzichtet.
Meine Tips für den oder die, die nur etwas Infotainment suchen:
Im Rahmen des Bielefelder Bürgertum-Sonderforschungsbereiches
arbeitete ich bis 31.12.1997 als Mitarbeiter an dem von Klaus Schreiner geleiteten
Projekt
NEU: Von meinem Aufsatz Maria als Stadtpatronin in deutschen Städten des Mittelalters und der frühen Neuzeit (erschienen 2002 in dem von Klaus Schreiner herausgegebenen Sammelband Frömmigkeit im Mittelalter. Politisch-soziale Kontexte, visuelle Praxis, körperliche Ausdrucksformen, S. 125-154) liegt eine Zusammenfassung und der Schlußteil in einem Beitrag zur Mailingliste MEDIAEVISTIK online vor.
Die Beziehung zwischen städtischer Identität und religiösem Ritual mag ein Quellentext aus der Zeit um 1500 verdeutlichen. Daß bei dem Einsturz der beiden Türme der Pfarrkirche in der Karfreitagnacht 1497 niemand ernsthaft verletzt wurde, betrachtete der Rat von Schwäbisch Gmünd als Wunder, das er der Patronin der Pfarrkirche, der Gottesmutter, zuschrieb. In einem städtischen Amtsbuch ließ er durch den Stadtschreiber einen ausführlichen Bericht eintragen. Mit einem Kreuzgang am folgenden Georgstag unter Beteiligung der Priesterschaft und der drei Bettelordenskonvente stattete das Stadtregiment Maria den schuldigen Dank ab. Zugleich stiftete der Rat - zuer gedächtnus solcher gnad unnd barmhertzigkeit - eine jährliche Prozession am Ostermontag. Man sieht: historiographische Aufzeichnung ("Stadtbuchchronistik") und wiederkehrendes Ritual griffen ineinander. Der Besuch dieser Prozession wurde in der Mitte des 16. Jahrhunderts im Ratsherrn-Eid der Stadt eigens eingeschärft. Beide Erinnerungsmedien, sowohl der Text als auch das Ritual, weisen die Pfarrkirche und damit auch Gmünd als besondere Gnadenstätte aus und demonstrieren so den Charakter der Stadt als Sakralgenossenschaft.
Bei der Frage nach vergleichbaren Ritualen, die für das städtische Selbstverständnis im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit wichtig waren, muß die besondere Aufmerksamkeit der Forschung den Schlachtengedenktagen gelten, also der jährlich wiederholten Erinnerung an Schlachten, Belagerungen oder Überfälle. Eine vergleichende Studie dazu habe ich 1989 veröffentlicht; eine 1991 publizierte Zusammenfassung ist hier im Volltext (mit Nachtrag) verfügbar.
Dieses Thema habe ich 2001 nochmals aufgegriffen in einem Artikel Erinnerungsfeste in der spätmittelalterlichen Stadt (Volltext).
Auch im Internet war bereits ein Schlachtengedenktag präsent. Unter dem Titel
Die Bassewitzsage berichtete das Städtenetz Prignitz von dem am 4. März
(Montag nach Invocavit, dem ersten Fastensonntag) 1381 gescheiterten Sturm
auf die Stadt Kyritz, die damals, so will es eine Tradition, von einem Engel
beschützt wurde. Dem Angreifer Kurt von Bassewitz gelang es auch 1411 nicht, die Stadt einzunehmen.
Zum Gedenken an die Abwehr des mecklenburgischen Adeligen bäckt und verteilt man noch
heute am
Montag nach Invocavit
Rundstücke, große Semmeln von etwa 125 Gramm. Und die semmelartigen "Hedwecken"
sollen an die Tochter Hedwig des Bürgermeisters von 1411 erinnern, die den Bassewitz
angeblich mit heißer Grütze übergoß (Hinweis: defekte Links ersetzt durch archive.org, 10.11.2001).
An die Belagerung der Stadt Bernau durch die Hussiten 1432 erinnert das
Bernauer Hussitenfest.
Zur Lüneburger Ursulanacht, eingehend untersucht in einer noch ungedruckten Arbeit von Matthias Lentz (Bielefeld), erfährt man einiges in der (leider nur kurze Zeit auch online vorliegenden)
Dissertation von Heiko Droste. Online vollständig einsehbar ist dagegen die
Dissertation (PDF-Format)
von Karljosef Kreter zur Geschichtskultur Hannovers (mit Texten zum Schlachtengedenken 1490 und früher).
Was an stadtgeschichtlichen Angeboten im Internet des deutschsprachigen Raums bereits vorhanden ist, ist in der Regel eher dem Bereich Touristik zuzuordnen. Meine Heimatstadt, deren Geschichte ich seit 1975 (damals war ich 17) erforsche, macht da keine Ausnahme. Ihr habe ich eine eigene Seite (mit Bildern) gewidmet. Sie bietet Volltexte eigener Publikationen, etliche historische Quellentexte, Bibliographisches und WWW-Verweise:
Ein beachtliches Angebot stadthistorischer Texte zu Ingolstadt wird
Kurt Scheuerer
verdankt.
Eine kleine Liste stadtgeschichtlicher Links präsentiert das
Institut
für vergleichende Städteforschung Münster.
Einige sehenswerte Adressen zur Stadt im Mittelalter bietet das
Tübinger Historische Seminar.
Der Nachruhm steht im Mittelpunkt meiner Überlegungen zur fürstlichen Erinnerungskultur im deutschen Spätmittelalter (Volltext). Ausgangspunkt ist die Erinnerungskultur am Hof Pfalzgraf Friedrich des Siegreichen in Heidelberg.
Mein Vortrag Adel als Leitbild (Volltext), gehalten im Rahmen des 2. adelsgeschichtlichen Symposiums auf der Weitenburg "Gelungene Anpassung?" (Leitung: Horst Carl/Sönke Lorenz) am 25.5.2001, knüpft an einen Beitrag von 1993 an (Feindbild und Vorbild. Bemerkungen zur städtischen Wahrnehmung des Adels, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 141, S. 121-154).
Überlegungen zur spätmittelalterlichen Fehde präsentiert ein Beitrag Gewalt und Adel in Südwestdeutschland (Volltext).
Feindbilder und Konflikte zwischen städtischem Bürgertum und landsässigem Adel im Rahmen der jeweiligen Erinnerungskultur des späten Mittelalters werden erörtert in meinem Vortrag Der adel dem purger tregt haß. (Volltext). Ein bezeichnendes Schlaglicht auf das gespannte Verhältnis zwischen Stadt und Adel wirft auch ein Ehrenhandel aus dem Jahr 1474, den ich in einem kurzen Artikel (Volltext) vorgestellt habe.
Ein poetisches Streitgespräch zwischen Bürger und adeligem Hofmann schrieb Oswald von Wolkenstein (ca. 1376-1445) (Text und weitere Oswaldgedichte).
In dem Aufsatz Graf Heinrich von Württemberg (+1519) (Volltext mit Nachträgen) geht es um die Neubewertung der Person des Grafen Heinrich von Württemberg (um 1448-1519), eines Adeligen, der die Grafschaft Mömpelgard (Montbéliard) von 1473 bis 1482 und anschließend bis zu seiner Gefangensetzung im August 1490 durch seinen Vetter Graf Eberhard im Bart von Württemberg die elsässische Grafschaft Horburg regierte. Nach einem Lebensabriß kommt die Verwicklung Heinrichs in die Burgunderkriege - er befand sich 1474 bis 1477 in burgundischer Gefangenschaft - zur Sprache. Das Problem von Heinrichs angeblicher Geisteskrankheit läßt sich aufgrund fehlender diagnostischer Daten nicht lösen. Zuletzt werden die aufschlußreichen geistigen Interessen des Grafen gewürdigt: Von seinem Bücherbesitz sind zwei Handschriften und zwei Inkunabeln erhalten geblieben, und im "Königssteiner Liederbuch" tragen drei Liebeslieder seinen Namen. Der Frühhumanist Stephanus Surigonus aus Mailand widmete ihm wohl um 1470 ein lateinisches Gedicht (Text).
Über die Forschung zu Heinrichs Vetter Graf bzw. Herzog Eberhard im Bart gibt Auskunft die Seite: Studien zu Eberhard im Bart von Württemberg (1445-1496)
Mit einer merkwürdigen historiographischen Fiktion aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, der im Bodenseeraum im Umkreis der Grafen von Montfort entstandenen Schwäbischen Chronik eines sich Thomas Lirer nennenden Autors habe ich mich in meiner 1987 erschienenen Dissertation (Summary) auseinandergesetzt. Es handelt sich um Adelsliteratur, deren restaurative Programmatik unverkennbar ist: ein Diskurs über das Land Schwaben und sein Herkommen, der im Medium einer erfundenen Frühgeschichte die alten ritterlichen Werte beschwört.
Über die sogenannte "Ritterrenaissance" des 15. Jahrhunderts unterrichtet ein Beitrag: Ritterromantik? (Volltext).
Eine bedeutsame Quelle der adeligen Bildungs- und Kulturgeschichte sind
noch existierende Adelsbibliotheken. Das Problem ihrer Bewahrung steht zur Debatte
hier in der Rubrik Kulturgut.
In einem Projekt "Adel, Stadt und Region. Ständische und regionale Diskurse und Traditionen im deutschen Südwesten (15./16. Jahrhundert)" möchte ich das Verhältnis ständischer Identitätskonstruktion (Selbstverständnis des Adels und der Städte, territorialer Diskurs) und regionaler Identitätskonstruktion (Landesdiskurs, regionaler Diskurs) thematisieren. Angesiedelt ist es am Sonderforschungsbereich 541 (Identitäten und Alteritäten) an der Universität Freiburg im Breisgau im Rahmen des von Dieter Mertens geleiteten Teilprojekts B 5: Ausbildung kollektiver Identitäten im Renaissance-Humanismus (hier auch meine Veröffentlichungsliste). Dabei soll das Wechselspiel von Abgrenzung (Feindbild) und Aneignung (Vorbild) und die Rolle historischer Traditionsbildung im Vordergrund stehen. Zu fragen wird sein: Welche Bedeutung besaß der gentile (Schwaben) bzw. regionale Diskurs (Kraichgau, Breisgau, Allgäu usw.), also das "landsmannschaftliche" Moment, für die Ausbildung der kollektiven Identität von Territorien, adeligen Herrschaftsträgern und Städten? Wie verhielt sich die Zusammenarbeit im regionalen Rahmen zur "Feindschaft" zwischen Adel und Städten? Welche ideologischen Allianzen und Gemeinsamkeiten gab es andererseits (nationaler bzw. Reichs-Diskurs, Tugendadel-Konzept)?
Schwabenkrieg 1499: Am 12./13. Mai 2000 fand erfolgreich eine von Prof. Dr. Dieter Mertens und mir veranstaltete Projekttagung Schwabenkrieg/Schweizerkrieg 1499 - Ereignis und kollektive Identitäten statt. Aus diesem Anlaß wurde eine umfangreiche Quellendokumentation erstellt.
In der Mailingliste MEDIAEVISTIK habe ich 2002 zur Verfasserfrage des Werks des sogenannten Oberrheinischen Revolutionärs (um 1500) Stellung genommen und dabei auch den rheinischen Patriotismus des Textes gewürdigt.
Vielleicht die aufschlußreichsten Beobachtungen gestattet in Südwestdeutschland der Blick auf das seit dem Untergang der Staufer als Territorium nicht existente Land Schwaben . Am Ausgang des Mittelalters erlebt die Berufung der Fürsten und des Niederadeligen, aber auch der Städte und der Humanisten auf diese vermeintlich ganz überlebte gentile Einheit eine erstaunliche Renaissance. Eine Auswahlbibliographie Schwaben (mit Bild) ist mein Beitrag anläßlich der Stuttgarter Alamannen-Ausstellung 1997. (Im Begleitbuch "Die Alamannen" findet man allerdings leider nur wenig verläßliche Informationen zum "Nachleben" der Alamannen als "Schwaben". Das Inhaltsverzeichnis des Begleitbuchs ist wiedergegeben auf der empfehlenswerten Seite der Universität Duisburg: Geschichte der Alemannen.)
Ein Aufsatz (Volltext) skizziert, was es mit der "Schwäbischen Nation" in der frühen Neuzeit auf sich hat. Gefragt wird nach dem Raum, der als Schwaben galt, nach dem historischen Diskurs über Schwaben und den Versuchen im 18. Jahrhundert, die schwäbische Ehre gegen Anfeindungen anderer Landsmannschaften zu verteidigen. Eine besonders bösartige Geschichte berichtet, eine Landgräfin von Hessen hätte einmal einen Schwaben sehen wollen, da sie schon viel von ihnen gehört habe. Als ihr ein Höfling einen solchen im ledernen Kleid zeigte, wunderte sie sich und sprach: Ich habe mein Lebtag kein Ding gesehen, das dem Menschen so wohl gleichet als ein Schwab. Wann das Tier reden könte, so könte man es wohl zum Krieg gebrauchen.
Ein (nicht ganz bierernst
gemeinter ;-) Vortrag von mir zum Thema
Regionale
Identität als Forschungsproblem ist auf den ehemaligen Seiten des
Brackweder
Arbeitskreises für Mittelalterforschung nachzulesen.
Was wäre das Rheinland ohne seine romantischen Sagen? In einem Vortrag
(Volltext) gehe ich quellenkritisch der Frage
nach, ob es sich dabei tatsächlich um "Volkspoesie"
handelt. Nicht wenige Rheinsagen sind ursprünglich
mehr "fakelore", also
literarische Fabrikate, als Folklore, und der
Sagen-Kommerz erweist sich denn auch eher
als ein Folklorismus-Phänomen. Angesprochen wird auch
die enge Wechselwirkung zwischen Sagenproduktion und
Geschichtskultur im 19. Jahrhundert, die sich im Kontext der
Heimatbewegung in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts
fortgesetzt hat.
Eine Koblenzer Werwolfsage bei Christian von Stramberg (ich kann ihn als Fabrikant von Fakelore nachweisen) erörtert
Elmar Lorey (kritische Stellungnahme).
"Eine Sage für den Pinsel eines Ovids" - so nannte ein
Gelehrter am Anfang des 19. Jahrhunderts die Siebenjungfrauensage von
Oberwesel (Vortragsvolltext). Eine
poetische Anthologie von
Gedichten (unter anderem von dem Romantiker Achim von Arnim)
und Prosatexten aus dem Zeitraum 1811 bis 1928 dokumentiert die Geschichte dieser Rheinsage. Vielleicht hat sich auch Heinrich Heine von diesem
Stoff anregen lassen, als er sein Gedicht
Pfalzgräfin Jutta (aus dem
"Romanzero" von 1845/46) schrieb.
Links: Mittelrheintal - Rheinliteratur, zusammengestellt von Jürgen Helbach
Projekt Loreley - mit Gedichtsammlung
Wie der Ritter Roland nach Rolandseck kam - Aufsatz zu einer Rheinsage von Arnulf Krause
***
Sagen
Kritisches zu Rheinsagen
Die sieben Jungfrauen von Oberwesel. Eine poetische Anthologie
Zur Siebenjungfrauensage
Eine kleine Sagensammlung
Artikel "Sage" im Lexikon des Mittelalters
Sagen - kritische Gedanken zu Erzählungen
aus dem Raum Kirchheim/Teck (Volltext 99 K)
(ZIP-Format)
Überlegungen zu Schwäbisch Gmünder "Sagen"
Der Stadtrichter von Gmünd - Eine erfundene
Sage von 1845
Seriöse historische Angebote zum Thema Hexen sind im Internet
selten (einige Startseiten sind auf der Seite www.hexenforschung.de aufgelistet). Eine Bibliographie
findet man auf der Seite des
Der seit 1985 bestehende "Arbeitskreis Interdisziplinäre Hexenforschung (AKIH)" ist mit einem eigenen Angebot im Netz. Die jährlichen Arbeitstagungen finden im Tagungshaus der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Stuttgart-Hohenheim statt (Ansprechpartner: Dieter R. Bauer).
Für den AKIH betreue ich seit August 2000 die Mailingliste HEXENFORSCHUNG mit allgemein zugänglichem WWW-Archiv (seit Juni 2001 bei GMD). Anmeldungen zur Liste mit ein paar persönlichen Angaben bitte bei mir per Mail.
Ein fundiertes Hexenlexikon, Bilder, E-Texte, ein Forum und eine Linksammlung bietet der Münchner Server Frühe Neuzeit ( Besprechung des Angebots - in seiner Anfangsphase - in der ZfBB durch mich).
Eine empfehlenswerte eigene Homepage (mit einschlägiger Veröffentlichungsliste und Volltexten!) besitzt ein Mitglied des Arbeitskreises: Rainer Decker. Volltexte bietet auch die Homepage von Thomas Becker.
Auf der Jahrestagung des AKIH 2000 wurde von mir ein Streifzug zum Thema Hexen im Internet angeboten. Eine vergleichbare Präsentation fand im Rahmen eines Offenen Seminars zum Thema Hexenverfolgung (Leitung: Karin Wohlschlegel) der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg am 17.6.2001 in Bad Mergentheim statt. Die besuchten Links habe ich in einem Lesezeichen dokumentiert.
Ein Buchtip: AKIH-Mitglied Wolfgang Behringer hat in der Reihe "Wissen" des Verlags C. H. Beck eine instruktive und preisgünstige Einführung Hexen. Glaube, Verfolgung, Vermarktung auf dem neuesten Stand der Forschung geschrieben, die guten Gewissens allen am Hexenthema Interessierten empfohlen werden kann (München 1998 bzw. 2000, 115 Seiten, DM 14,80).
1999 (2. Aufl. 2000) erschien im Bielefelder Verlag für Regionalgeschichte ein Sammelband zu Himmlers Hexensonderauftrag , Resultat einer AKIH-Tagung von 1988 (!): Himmlers Hexenkartothek. Eine ungedruckte Ausarbeitung des völkischen Aktivisten Arnold Ruge (1881-1945) von 1936 zum Hexenthema stellt mein Beitrag zu diesem Sammelband vor (Resümee).
Eines der einflußreichsten Bücher der letzten Jahre zum Thema
"Hexen" stellt sicher das 1989 erschienene Werk Hexensabbat von
Carlo Ginzburg dar. Die bislang im deutschsprachigen Raum ausgebliebene Debatte
über den theoretischen Ansatz Ginzburgs als Herausforderung für die
Methodendiskussion der Geschichtswissenschaft hofft meine
Über die Hexenverfolgungen in der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd,
die zwischen 1613 und 1617 knapp 50 Menschen (fast nur Frauen) das Leben
kosteten, unterrichtet ein Quellentext, ein Auszug
aus der Chronik des Friedrich Vogt (1674).
NEU: Neuigkeiten rund um das Archivwesen versammelt das im Februar 2003 von mir gegründete Weblog ARCHIVALIA.
KULTURGUTVERLUSTE AKTUELL: Im Juni 2003 wird das Inventar des Sepulchrinerinnenklosters (Chorfrauen zum Heiligen Grab) Baden-Baden von der Erzdiözese Freiburg versteigert - siehe Netbib.
Die Versteigerung des Inventars von Schloß Giebelstadt der Freiherren Zobel erregte im September 2002 Unterfranken - Berichterstattung im Weblog Netbib.
Nordelbische Kirchenbibliothek Hamburg verscherbelte Altbestände (mehr dazu). Johann Anselm Steiger hat einen Spendenaufruf gestartet. In der FAZ vom 5.7.2002 habe ich den Skandal thematisiert.
Aber auch andere Kirchenbibliotheken erlitten Verluste: Bücher der bayerischen Kapuziner (Netbib) und Teile der Klosterbibliothek Knechtsteden (Netbib) wurden verkauft.
Dauerbrenner Donaueschingen: Kommt nach der Donaueschinger Hofbibliothek (siehe unten) nun die altdeutsche Gemäldegalerie der Fürstenberger an die Reihe? Sie wurde 2001 nach Köln verbracht (Näheres). Die wenigen auf der Liste national wertvollen Kulturgutes stehenden Bilder werden in der Stuttgarter Staatsgalerie gezeigt - kein Grund zum Aufatmen (Kommentar). Mehr dazu in Netbib.
Pflichtlektüre: Dirk Sangmeister dokumentiert in der NZZ die systematische Zerschlagung historischer Buchbestände in der DDR.
Über ein bedenkliches Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2001 und die Kulturgutverluste in den neuen Bundesländern aufgrund des Rückgabeanspruchs im EALG handelt ein Essay von mir in MusProf.
Handschriften der ehemaligen Herzoglichen Öffentlichen Bibliothek Meiningen - ein Beispiel für eine solche Rückgabe - sowie Bestände der Adelsbibliothek von Krassow-Divitz (Vorpommern) und einer fränkischen Adelsbibliothek (von Schrottenberg) wurden 2001 bei Reiss (Auktion 80) versteigert (Näheres).
Bei Christie's kamen 2001 Sammlungen der Hohenlohe-Schillingsfürst aus dem Schloß Baumgarten bei Göttweig unter den Hammer, darunter Stücke zur Familiengeschichte der von Lamberg und ein unbekanntes Epitaph zu den Wolf von Wolfstal, derzeit im Besitz eines Londoner Händlers (Näheres).
Die Weltkarte von Martin Waldseemüller, eingetragenes deutsches Kulturgut, wurde im Juni 2001 von Schloß Wolfegg nach Washington gebracht (Näheres - English information).
HOFBIBLIOTHEK DONAUESCHINGEN: Der skandalöse Ausverkauf der traditionsreichen Fürstlich Fürstenbergischen Hofbibliothek Donaueschingen und der sich dagegen formierende Widerstand (siehe beispielsweise die Stellungnahme von Volker Schupp) wird nun auf einer weiteren Seite (mit dem Volltext meines Nachrufs auf die 1994 versteigerte Donaueschinger Inkunabelsammlung) dokumentiert. Dort finden sich etliche Volltexte und Links zur Affäre.
Die bislang letzte Auktion: Am 26. September 2002 versteigerte Bloomsbury über 500 Bücher aus Donaueschingen. Nach wie vor gilt meine Bitte:
An alle öffentlich zugänglichen Bibliotheken, Archive, Museen usw. ergeht der dringende Appell, möglichst viel aus der Donaueschinger Bibliothek zu retten. Eigentümer ehemals Donaueschinger Bücher bitte ich um Kontaktaufnahme. Hinweise werden auf Wunsch vertraulich behandelt.
Eine Projektskizze des geplanten Projekts Donaueschingen digital und ein Beitrag zum kulturpolitischen Hintergrund (Historisches Bucherbe in Gefahr) ist hier verfügbar (Text). Siehe auch: Klaus Graf, Kulturgutsverlust und virtuelle Rekonstruktion. Das Projekt "Donaueschingen Digital", in: AKMB-News 6 (2000), H. 2, S. 3-8.
English information: Donaueschingen Digital - a draft.
Weitere Kulturgutverluste: Daß es sich bei diesem Skandal beileibe um keinen Einzelfall gehandelt hat, habe ich einem weiteren Beitrag, der für einen stärkeren faktischen und rechtlichen Schutz von Adelsbibliotheken plädiert, zu zeigen versucht ( Volltext). Ergänzende Mitteilungen zu Versteigerungen der Bibliotheken von Gut Trages (Familie von Savigny) und Gevelinghausen 1998 sowie zu der vor einigen Jahren aufgelösten von der Leyenschen Bibliothek in Waal sind in einem Mailinglistenbeitrag enthalten. Im Herbst 1999 wurden reformationsgeschichtliche Drucke der Schloßbibliothek Tambach der Grafen von Ortenburg versteigert. Ein kleines Dossier zu bayerischen Adelsbibliotheken wurde ebenfalls in Mailinglisten verteilt.
1995 wurden die aus der Kunstkammer der Markgrafen von Baden hervorgegangenen Sammlungen in einer Versteigerung bei Sotheby's zerstreut. Immerhin konnte die bis dato der Forschung unbekannte Bibliothek gerettet werden, wie ein Artikel von Ehrle/Schlechter darlegt.
Einen Kulturgutverlust in Wertheim am Main dokumentiert mein Artikel über den Fürstlich Löwenstein-Wertheim-Freudenberg'schen Bücher- und Musikalienbasar anno 1995 (Volltext).
Zu Residenzenbibliotheken existiert eine kleine Literaturzusammenstellung von Reinhard Tenberg im Rahmen der Mitteilungen der Residenzen-Kommission 1992.
Kulturgutverluste durch eine Versteigerung von Schloßausstattungen am 24.3.1999 bei Christie's in Amsterdam beklagt ein Aufsatz (Mailinglistenbeitrag: Teil I: Ludwigslust in Mecklenburg, Teil II: Niederstotzingen ). Siehe auch meinen Aufsatz in: Kunstchronik Nov. 1999, S. 521-525.
VL Museen:
Im Rahmen der Virtual Library Museen Deutschland betreue ich die Rubrik
Museumsrecht, Kulturgutschutz, Denkmalschutz.
Die wichtigsten internationalen Links zum Thema Kulturgutschutz
findet man auf der Seite
Museum Security (mit
empfehlenswerter Mailing-Liste).
An der ergänzend heranzuziehenden Linkzusammenstellung
Handschriftenkunde/Kodikologie im Rahmen der VL Geschichte bin ich als Mitarbeiter beteiligt.
NEU: Im Rahmen des "Jurawiki" kann mein Vortrag Gedanken zum Fotorecht aus alternativer Sicht (2002) nachgelesen werden (Text).
Da urheberrechtliche Themen mich besonders faszinieren und ich ein Anhänger des FOS-Gedankens, der sich für den freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur via Internet einsetzt, habe ich einen kurzen Text
Urheberrecht für Autoren: Eigene Arbeiten im Netz (April 2002) verfaßt.
Kurz vor ihrem Tod hat meine Mutter Hertha Graf (1911-1996) ihre Lebenserinnerungen
vollendet. Diese beginnen mit der Zeit in Moskau während des Ersten Weltkrieges,
berichten von Kindheit, Jugend und erster Arbeitsstelle in Riga bei der
Baltendeutschen Rußlandarbeit und schließen
mit dem Exodus von 1939. Eine Verlagspublikation ist beabsichtigt.
Ausgewählt habe ich Kapitel VI, eine Schilderung lettischen Landlebens um 1920:
Eine Wiedergabe des gesamten Textes erfolgte abschnittsweise in der clara-Liste (Archiv nach Listenbeitritt zugänglich).
Letzte Änderung (diese Hauptseite): 18.3.2003
Erstveröffentlichung: 15.04.1997
Vielen Dank für die anfängliche Bildbearbeitung:
b 12 Grafik & Design
Kornelia Erlewein, Stuttgart
Eine Bitte um Nachsicht:
Allen Brausern rechtgetan,
Ist eine Kunst, die niemand kann
;-)
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